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Geschichte & Chronik

Der Garten von Ehrnegg

Ehrnegg liegt im Südosten Kärntens, im Griffnertal, auf halber Strecke zwischen Griffen und Ruden. Mr. Edgar und Lieselotte Piskernik, die Seniorchefs der Apotheke Maria Hilf, legten diesen Garten nach den Vorbild der ursprünglichen Anlage an. Seit 1979 betreuen sie diesen wunderschönen Platz mit viel Einsatz und Liebe.

Leider leiden unsere vielen Buxbaumpflanzen in den letzten Jahren durch den Pilz Cylindrocladium buxicola und die Raupen des Buxbaumzünslers. Durch die Behandlung mit homöopathischen Nosoden konnten Edgar und Lieselotte Piskernik die Bestände aber stabilisieren. Wir sind gespannt, was uns die Zukunft in dieser Hinsicht bringen wird.


Die Gründung

In der geräumigen Halle ist der Gründungsstein eingemauert. Eine nackte, männliche Gestalt hält die Wappen-Kartuschen der Gründer. Hier der Text:
"Der Edl und Vest Eberhart Ertl von
Hainstat und Prisca, eine geborne
Waschlin, sein Eheliche Hausfrau
aben diß Gepeu von gruenem 
Rasen auf angefangen zu Pauen.
Anno domini 1.5.8.6."

Im slowenischen Dialekt heißt das Gebäude  Rzenegg (aus welchem Rz der Name für Roggen) ersichtlich ist. Egg ist die alte Bezeichnung für Feld. (Weissenegg = Weizenfeld; Ehrnegg = Ährenfeld bzw. als Rzenegg = Roggenfeld). Ehrnegg war der Sitz der Herrschaft Weissenegg zu Ehrnegg.

 

Die Geschichte

Das Ende des 16. Jahrhunderts war die Hohe Zeit der Reformation und der Erneuerung in Kärnten. Viele der großen Bauten (Landtag, Kirchen, Spitäler, Gymnasien etc.) stammen aus dieser Zeit, so auch Ehrnegg. Kurz nach 1600 hat die Gegenreformation voll eingesetzt. Bischof Brenner von Seckau kam mit 300 Armbrustschützen und hat für die Einhaltung der "Alten Ordnung" gesorgt. Viele der Adelsfamilien verließen das Land.
1673 gab es den einzigen größeren Umbau des Gebäudes. Der 2. Stock wurde im Stile des Frühbarocks mit spätmanieristischen Elementen umgestaltet. Es entstand ein großzügig eingewölbter Festsaal mit 2 Trifolienfenstern der Renaissance - im Osten und Westen. Die Decke mit manieristischen Fratzen in schweren frühbarocken Voluten, weiß in weiß, prägt seither den Raum und die Nebensäle. Es ist dies die Zeit nach dem 30-jährigen Krieg. Die Besitzer waren Johann Frantz Graf von Dietrichstein, verheiratet mit Maria Theresia Gräfin Paradeiser von Neuhaus bei Neumarktl (Trzic). Die Wappen mit den Dietrichsteinschen Rebmessern und der gekrönten Schlange der Paradeiser prangen über dem Hauptportal. In den 400 Jahren nach der Gründung scheinen viele Namen auf, u.a. Christalnigg, Egger, Helldorff und Lange Mechlen.


ehrnegg valvasor2

Valvasor

Nach Johann Weikhard von Valvasor stammt der Stich, den Sie oben auf dieser Seite sehen können. Er schreibt anno 1689 in seiner Topographia  archiducatus Carinthiae antiquae et modernae über Ehrnegg:

Das Schloß Ehrnegg ligt im Lavant-Viertheil
nicht weit von Gräffen
und Weissenegg
unter einem hohen Berg
an einer Anhöhe
welcher Berg ein lauterer dicker Wald ist.
Dieses Schloß ist schön
sauber und wolgebaut
hat zwey lustige Gärten;
man gehet gleich aus dem Schloß
durch eine Zwischen-Strassen
in den grössern Garten
welcher groß und eben ist.
Der jetzige Herr Innhaber hat grosse Mühe
Solchen gleich und eben zu machen
auch das Meiste beym Schloß zu repariren
angewendet
darinn schöne Zimmer und Gemächer zu finden:
Unten hat es schöne ebene Felder
aus dem Schloß aber einen schönen Prospect.
Vorzeiten gehörte es den Herren von Haunstatt;
der Zeit aber dem Herrn Johann Frantzen Grafen von Dietrichstein.


Der Garten
1979 hat die Apothekersfamilie Edgar und Lieselotte Piskernik das Schloss erworben. Seit dieser Zeit gilt die spezielle Aufmerksamkeit der Kombination von Gebäude und Garten. Valvasors Kupferstich zeigt bereits das Gartenparterre mit 8 Quartieren und einem Brunnen in der Mitte, von hohen Mauern umgeben und von 2 sechseckigen turmartigen Pavillons eingefasst. Selbst im Franzisceischen Kataster des 19. Jhd. ist die Anlage noch ersichtlich, obwohl das 19. Jhd.  und vor allem das 20. Jhd. aus dem Garten eine Obstplantage, ein Nutriazucht und während des 2. Weltkrieges ein Exerzierfeld für  Militär und Jungvolk gemacht haben.


Mit Hilfe des Bundesdenkmalamtes unter Prof. Geza Hajos, der mit Anregungen und Sanierungsvorschlägen zur Seite stand, wurden Gartenpläne vom Bundesdenkmalamt finanziert und von Ing. Sellinger erarbeitet. Wir haben über einen Kilometer Buchshecken gezogen, Spalierobst gepflanzt, ein Labyrinth angelegt, die einzelnen Quartiere nach Farben eingeteilt mit Blumen und Kräutern aus der Zeit bepflanzt und uns redlich bemüht, den Garten des Spätmanierismus nachzuempfinden und zu reanimieren.

Der vorläufig krönende Abschluss wird im Sommer 2006 die Wiedererrichtung des Brunnens sein. Schon das Valvasors zeigt einen Brunnen in der Mitte des Gartens. Nach 25 Jahren der Suche gelang es uns, einen Brunnen zu finden und zu erwerben, der dem ursprünglichen Brunnen in Aussehen und Herstellungszeit entspricht. Es besteht sogar die Möglichkeit, daß dieser Brunnen der ursprüngliche Brunnen aus unserem Garten war. Im Zentrum des Parterres, auf seinem angestammten Platz, soll er die Lebendigkeit des Gartenraumes abrunden und die Menschen mit seinem Plätschern erfreuen.

Mr. pharm. Edgar Piskernik