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Bachblüten

Pflanzen reden - ein Märchen

 
„Wie war das?“ fragte das kleine Pflänzchen seine Nachbarin, die große Königskerze, „was soll ich nicht vergessen ?“. Die Königskerze wiegte sich im Sonnenwind, genoss die Morgenluft und wartete mit der Antwort. Auch hatte sie mit den vielen Besuchern zu tun, die auf ihren Blüten krabbelten und den Blütenstaub holten. Sie war freundlich und gab gerne von ihrer Fülle, wenn auch diese vielen Tierlein etwas lästig waren. Am liebsten stand sie da und streckte ihre Blüten und Knospen der Sonne entgegen und wiegte sich im waren Sommerwind.
Sie lenkte ihre Aufmerksamkeit zu dem kleinen Pflänzchen, das vor ein paar Tagen neben ihr aus der Erde aufgetaucht war und ganz schnell größer wurde. „Du sollst deine Bestimmung nicht vergessen und du sollst wissen, dass du ganz bestimmte Eigenschaften oder Talente hast, die der Grund dafür sind, dass du bist, wie du bist. Während deiner Entwicklung kannst du diese Eigenschaften zum Wohle aller nützen, sie vielleicht noch weiter ausbauen. Du kannst sie aber auch ganz einfach vergessen, - dann lernst du irgendwann irgendwo in ferner Zeit an einem anderen Ort dazu.“
„Was ist Bestimmung? Was sind Talente?“ fragte die junge Pflanze ganz begierig, mehr zu hören. „Lass mir ein wenig Zeit, ich werde nachdenken, wie ich dir das erklären soll.“ So begann eine Zeit des Wartens, der Ungeduld und des Heranwachsens für das Pflanzenkind. Menschenkinder sind in dieser Zeit voll Neugier, laufen herum, erkunden die sichtbare Welt und können nicht genug bekommen allerhand zu erleben, Erinnerungen zu horten und auch schon Erfahrungen zu machen.
Pflanzen stehen auf einem Platz, sind gebunden an einen festen Standort auf der Mutter Erde. Sie bietet ihnen Nahrung und Halt. Pflanzen senken ihre großen und kleinen Wurzeln so tief sie können in den Boden, um möglichst viel von der Mutter Erde zu ertasten, erfühlen und genießen zu können und das alles in dem Rahmen ihrer ganz speziellen Fähigkeiten.
 
Drei Wochen später sprach die Königskerze zum Beifuß, der nun bereits 2/3 der Größe seiner Nachbarin erreicht hatte. „Du fragst was Bestimmung ist. Ich will dir meine Gedanken dazu sagen. Jedes lebendige Bewusstsein, alles in der Natur hat den Wunsch, dazuzulernen. Alles was lebt, ist durch das Sein, mit dem Leben selbst verbunden. Das du neben mir stehst, ist ein Teil meiner und deiner Bestimmung und wir beide wollten es so, auch wenn wir jetzt nicht davon wissen. Ich werde bald meine reifen Samen verstreuen und welken und bin froh, dass du mich zum Denken gebracht hast. Wie ich das sehe, ist unsere Bestimmung auf Erden einerseits neuen Individuen, die sich danach sehnen hierher zu kommen, die Gelegenheit zu bieten, Leben durch unseren Samen und unsere Früchte zu schaffen. Manchen Lebewesen bleibt neben dem Früchte tragen  kein Raum und keine Zeit mehr über sich selbst zu erfahren – dann ist das für diese wohl so richtig. Wir sind hier, um zu erkennen, wer wir sind. Alles in der Natur, ob Mensch, Tier oder Pflanze hat ein ewiges Wesen, ist auf der Reise von einem Anfang zu einem neuen Anfang. Meine persönliche Erkenntnis ist, dass ich als Königskerze das Talent habe, diesen kargen Boden zu lockern, dass meine einzelnen Blütenkronen bereits in kleinen Mengen den Menschen bei Entzündungen im Mund- und Rachenbereich und bei Reizhusten helfen zu heilen. Ich empfand große Freude als eine Frau zur Mittagszeit gerade die schönsten Blütenkronen abnahm, und daraus einen Tee zum Gurgeln für ihr Kind zu bereitete. Mein Talent half dem Kind seine Halsentzündung zu heilen. Indem ich das erkannte, wusste ich ein wenig besser, wer ich bin“. Der Beifuß senkte seine höchste Pflanzenspitze und flüsterte beschämt:“Das kann ich alles sicher nicht, und ich merke mir auch nichts davon, was du mir erzählst – mein Kopf ist voll, da geht nichts hinein. Ich bin ganz verzweifelt.“ Da lachte die Königskerze und die Menschenkinder hörten es als ein leises Klingen, wenn sie sich zu ihr neigten. „Dein Bruder der Douglas-Beifuß, - oder Mugwort auf Englisch - vermag als Blütenessenz das Gleichgewicht zwischen Wirklichkeit und Traumwelt bei Menschen herzustellen. Er hilft Erlerntes im täglichen Leben anzuwenden und segensbringend umzusetzen.
Du selbst wirst sehen, wenn deine silbernen Knospen kommen, dass die Menschen sie holen, um sie ihren allzu fetten Speisen beim Kochen beizufügen. Du löst so Verdauungsprobleme. Allerdings ist deine Kraft so stark, dass nur kleine Mengen deiner Knospen hilfreich sind und große Mengen Schwierigkeiten bringen. Es kommt auf das richte Maß in allen Dingen an.“
„Heißt das, ich kann den Menschen helfen vollkommen zu werden?“ fragte der Beifuß, der nun aufrecht dastand und aussah als wäre er bei diesen Worten um einige Zentimeter gewachsen. Lächelnd antwortete die Königskerze: “Weil du gar so geduldig zuhörst, will ich dir ein Geheimnis sagen, das ich für mich entdeckt habe. Wo Natur ist, ist Streben nach Vollkommenheit. Dort ist Liebe und Licht ohne Ende. Wenn aber diese Vollkommenheit erreicht ist, ist das Leben als Ausdruck des Strebens nach der Vollkommenheit eigentlich nicht mehr notwendig. Da wir alle ewige Wesen sind, sind wir auf dem Weg zu diesem Ziel und müssen lernen mit jedem Ende und neuen Anfang hier und dort, wo uns Gott hinführt, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn wir bei allem was wir tun und was wir erfahren die Liebe nicht verlieren, sind wir auf einem guten Weg. Gereiftes können wir getrost der Urkraft des Himmels und der Erde anvertrauen, damit es verwandelt neu entsteht.“
 
Mugwort (Beifuß) ist eine kalifornische Blütenessenz. Sie steigert die Aufnahmefähigkeit und hilft bei Schlaflosigkeit und Konzentrationsmangel. Tagträumern erweitert sie das Bewusstsein und erhöht die Aufmerksamkeit im Alltagsleben.
Beifuß wird als Beigabe beim Kochen von fetten Speisen verwendet – es genügt ein 2 cm langes Zweiglein um 2 – 3 kg Fleisch bekömmlich zu machen (Schinken, Schwein, Gans, Ente, Karpfen etc.).
 
Die Königskerze kennt jeder.  
Die reizmildernde Wirkung ihrer Schleime wird bei Husten, Halsweh und Erkältungs- krankheiten eingesetzt. Die Volksmedizin verwendet sie auch als Mittel gegen Rheume und zur Wundheilung.